"dass ich 1940 in bergneustadt geboren bin interessiert ja wohl keinen menschen", sagte grit sensen in einem vorgespräch zu diesem text. das mag sein. interessieren wird aber, dass sie schon vor ihrem studium als goldschmiedin eine ausbildung als metallbildhauer und silberschmied absolviert hat. von 1959-1963 folgt dann ihr studium an der werkkunstschule wuppertal in der goldschmiedeklasse von prof. karl schrage.
danach hat sich grit sensen mit ihrem avantgardistischen schmuck an vielen ausstellungen beteiligt oder diesen auf einzelausstellungen gezeigt. leider sind diese frühen schmuckausstellungen heute nicht mehr datierbar. von ca. 1970 bis 1988 folgt eine "kinderpause", in der kunst eine eher passive rolle spielt.
1988 und 1991 übernimmt ihr mann wil sensen gastprofessuren an der australien national university in canberra. grit sensens erste objekte entstehen in canberra, wo sie fundstücke ihrer reisen durch südostasien verarbeitet. es entstehen "tagebuchartige" objektkästen als zeugnisse der einzelnen stationen der reisen. grit sensen ist eine fanatische sammlerin und besitzt ein grosses depot mit fundstücken, die dann in ihrem wuppertaler atelier, später im atelier in dignac - médoc, verarbeitet werden. vor allem bei den schmuckobjekten ist grit's herkunft als goldschmiedin spürbar. eine ihrer ersten ausstellungen nach der langen kinderpause heisst dann auch "fundstücke - schmuckstücke". die objekte sind sehr unterschiedlich in ihrer größe, von tragbaren zweifingerringen aus bein, phantasivollen ohrgehängen, u.a. mit einer opiumpfeife bis zu den mannshohen wächterfiguren mit in frankreich gefundenen alten werkzeugen.
parallel zu den objekten entstehen zeichnungen mit dem "garstigen strich" und später monotypien, einer technik, in der grit sensen zu verblüffenden neuen ergebnissen kommt. Ab 2003 malt sie bilder in der klassischen technik oel auf leinwand. seit dieser zeit finden sich in grit sensens malerischem oeuvre nur noch arbeiten, die sich auf essbares beziehen. die konzentration auf diesen themenbereich hat sicher damit zu tun, dass sie eine sehr gute köchin ist sicher aber auch mit der unterrepräsentanz dieses themas in der aktuellen kunst. ihre motive wachsen in ihrem garten oder werden auf den märkten der umliegenden dörfer und häfen gekauft und nach möglichkeit nach dem malen verspeist. die bilder sind immer klar in der komposition, einige enthalten neben den objekten noch typographische elemente. alle bilder entstehen ohne zeichnerische vorarbeit direkt mit oel auf leinwand oder ungrundiertem rupfen. das schnelle, spontane arbeiten entspricht grit sensens ungeduld. die motive werden immer monumentalisiert. "klein malen kann ich nicht" sagt sie. so gibt es neben den riesigen baguette bildern säulengroße spargel, tischgroße zitronen. diese vergrösserungen bieten gute möglichkeiten für unterschiedlichen farbauftrag und malerische delikatesse. die peinture ist, denke ich, immer wichtiger als das motiv. grit sensen benutzt eine farbigkeit die objektbezogen ist und immer ästhetisch.
die technik der photographie wird von der sammlerin grit sensen eher ungewöhnlich genutzt. schon vor vielen jahren haben sich einzelne themenkreise herausgebildet, die ständig erweitert werden. so "sammelt" sie auf den vielen grossen reisen, aber auch hier im médoc kreuze, herzen, schatten, zeichen, zahlen und anderes. immer denkt sie in serien, die im laufe der jahre zum teil zu sehr grossen datenbeständen anwachsen. ständig wird selectiert. ständig wird ergänzt. manchmal verschwinden ganze serien beim wechsel des computersystems oder anderen, mysteriösen umständen. immer wird neu begonnen oder ergänzt. alleine die idee, die zahlen von eins bis hundert zu finden, beschäftigt grit sensen seit jahren, und wird sie sicher noch jahre beschäftigen. immer ist die camera dabei. grit sensen hat ihre motive schon photographiert ehe andere sie überhaupt wahrgenommen haben. ein spaziergang mit ihr ist fast immer ein abenteuer. sie sieht kreuze am himmel, schatten im schlick, zeichen im schaum einer tasse cortado oder die hand von fatima unter dicken schichten oelfarbe.
ihr photoarchiv ist riesig. die photos bleiben immer autark. nie tauchen sie in den objekten auf oder sind vorlagen für ihre oelbilder. es ist schön, dass einige photoserien in dieser kleinen "internetgalerie" einmal vorgestellt werden.
w.s.